Kommission „Deutsche Namen für die Vögel der Erde“

(Standing Committee for German Names of the Birds of the World)

Geschichte

Die Vogelarten der Erde sind durch ihre wissenschaftlichen Namen eindeutig bezeichnet. Darüber hinaus tragen sie auch englische Namen, die jedoch zwischen den Kontinenten und verschiedenen Listen häufig voneinander abweichen. Daher wurde vom IOC (International Ornithological Committee, inzwischen International Ornithologists’ Union IOU) eine Kommission zur Vereinheitlichung der englischen Vogelnamen der Erde eingesetzt (Gill & Wright 2006 ff.), nachdem es bereits Vorschläge für französische (Devillers & Quellet 1993) und spanische (Bernis 1995) Bezeichnungen gab.
Ebenso war das IOC der Auffassung, auch die deutschen Namen sollten aktualisiert und vereinheitlicht werden. Daher wurde eine gemeinsame Kommission von IOC und DO-G geschaffen, deren Arbeitsgrundlage anfangs die der Systematik und Taxonomie der 2. Auflage von Howard & Moore (1991) und bei den Namen überwiegend noch den Vorschlägen von Wolters (1975-1982) folgende „Liste der Vögel der Erde“ von Barthel in Perrins (1992) war.

Einige Arbeitsgrundsätze

Die meisten Ornithologen haben sich schon einmal über wenig sinnvolle und unschöne Namen für die Vögel der Erde oder sogar Europas geärgert. Das wird selbst nach einer relativ umfassenden Überarbeitung so bleiben, da die Kommission sich bemüht, die Zahl der Eingriffe auch im Sinne einer gewissen Konstanz so gering wie möglich zu halten.
Bei Änderungen oder Neuschaffungen wird u. a. folgenden Grundsätzen gefolgt:
1. Die derzeit benutzten Namen europäischer Vogelarten sollten so wenige Änderungen wie möglich erfahren.
2. Neue Namen sollten nach Möglichkeit Kennzeichen, Vorkommen oder Lebensweise des Vogels charakterisieren.
3. Wenn sinnvoll und möglich, sollten sie sich an die wissenschaftlichen oder künftigen offiziellen englischen Namen anlehnen.
4. Fremdwörter, nicht im allgemeinen Sprachgebrauch befindliche Begriffe, wenig bekannte Personennamen oder diskriminierende Bezeichnungen („political correctness“) sind zu vermeiden.
5. Alte Namen außereuropäischer Vogelarten, selbst wenn sie bei Käfigvogelhaltern oder Zoos seit Jahrzehnten gebräuchlich sind, sollten geändert werden, wenn sie biologisch, geografisch, systematisch oder anderweitig unkorrekt oder irreführend sind.
6. Getrennt geschriebene Namen sollten zusammengezogen werden, aus mehr als drei Wörtern zusammengesetzte Namen sind mit Bindestrich zu schreiben.

Arbeit bis 2016

Die besonders durch molekulargenetische Erkenntnisse bedingten zahlreichen Veränderungen der letzten Jahre ließen das Arbeitspensum stärker als erwartet wachsen und erforderten neben der Schaffung vieler durch Splits nötig gewordener neuer Namen auch eine Anpassung bestehender Bezeichnungen an systematische Veränderungen: International wurden Unterarten zu Arten, Arten zwischen Gattungen und Gattungen zwischen Familien verschoben, sogar Familien und Ordnungen neu geschaffen oder abgegrenzt.
Der Arbeitsschwerpunkt lag bislang auf der Bearbeitung der im „Handbook of the Birds of the World (HBW)“ enthaltenen deutschen Artnamen. Viele dieser Namen mussten für den ersten Band der „HBW and BirdLife International Illustrated Checklist of the Birds of the World“ (del Hoyo & Collar 2014) bereits erneut angepasst werden. Für den systematisch-taxonomisch vom HBW teilweise stark abweichenden zweiten Band (2016) wurden zudem sämtliche bisherigen Namen der Passeriformes einer kompletten Revision unterzogen, wodurch sich recht viele deutsche Bezeichnungen für außereuropäische Arten verändert haben.

Ausblick

Für die Non-Passeriformes wurde eine Komplettrevision der deutschen Namen auf Grundlage der IOC-Liste von Gill et al. begonnen, dann aber wegen der Zuarbeit für die HBW & BirdLife-Liste der Passeriformes unterbrochen. Diese Revision wird im Jahr 2017 abgeschlossen.
Danach wird sich die Arbeit der Kommission hauptsächlich auf Bezeichnungen für neue Splits und eventuell nötige Änderungen von Familien- und Gattungsnamen konzentrieren können.
Derzeit ist noch offen, in welcher Form (gedruckt, digital oder beides) und nach welcher Basisliste (BirdLife, Gill et al. oder beiden) die Endversion der Liste offizieller deutscher Namen für die Vögel der Erde publiziert wird und ob sie als englische Namen die standardisierten Bezeichnungen des IOC oder die oft abweichenden von BirdLife mit aufführt.

Zusammensetzung

Mitglieder der Kommission sind derzeit: Peter H. Barthel (Vorsitz), Christine Barthel, Einhard Bezzel, Pascal Eckhoff, Renate van den Elzen, Christoph Hinkelmann und Frank D. Steinheimer.

Kontakt

Peter H. Barthel - e-mail