Preise & Auszeichnungen
Die Deutsche Ornithologen-Gesellschaft ist in der glücklichen Lage, über sechs verschiedene Förder- und Preisinstrumente verfügen zu können. Damit werden einerseits ornithologische Projekte von ihrer Planung an unterstützt, andererseits werden bereits geleistete Arbeiten gewürdigt. Neben der direkt greifenden Förderung über den Forschungsfonds besitzen wir damit weitere wichtige Instrumente des Forschungsmanagements.
Aktuell bestehende Preise:
Preisträger 2012
Zur Eröffnung ihrer Jahresversammlung vom 4.-8. Oktober 2012 in Saarbrücken zeichnete die Deutsche Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) erneut vogelkundliche Spitzenforschung aus:
Ornithologen-Preis 2012

- Hermann Wagner
Den Ornithologen-Preis erhielt der Aachener Zoologe Prof. Dr. Herrmann Wagner für seine zahlreichen Arbeiten zu den verhaltensphysiologischen und neuronalen Mechanismen der Orientierung und des Beutefanges von Schleiereulen.
Schleiereulen haben spezifische Anpassungen an ihr nächtliches Verhalten entwickelt. Federkrause und asymmetrisch angelegte Ohren dienen der Schallwahrnehmung, nach vorn orientierte Augen der Entfernungswahrnehmung. Im Gehirn finden sich diese Spezialisierungen in vergrößerten Bereichen für visuelle und akustische Informationsverarbeitung wieder. Gleichzeitig sind Schleiereulen vergleichsweise einfach zu halten, so dass ihr komplexes Verhalten unter kontrollierten Bedingungen untersucht werden kann.
In seinen Arbeiten kombiniert und integriert Professor Wagner theoretische, verhaltensbiologische und neurobiologische Studien auf höchstem Niveau und interdisziplinär. Seine methodischen Ansätze reichen von der Theoretischen Physik über die Computerwissenschaften, die Neurologie, die Hör- und Sehforschung bis hin zur Psychologie. Dabei verliert Herr Wagner die Schleiereule als Ganzes nicht aus den Augen. Seine Arbeiten sind deshalb ein herausragendes Beispiel für moderne integrative organismische Forschung, wie sie für das Verständnis von Anpassungsleistungen von Tieren so unverzichtbar ist.
Horst-Wiehe-Stiftung 2012

- Petra Quillfeldt (Foto: Alice Carravieri)
Den Preis der Horst-Wiehe-Stiftung erhielt Frau Prof. Dr. Petra Quillfeldt von der Universität Gießen in Anerkennung ihrer langjährigen Arbeiten an Seevögeln der Südhemisphäre. Seit 1995 untersucht Frau Frau Professor Dr. Petra Quillfeldt Sturmschwalben, Sturmvögel, Sturmtaucher und Pinguine, daneben aber auch Magellangänse und Scharben in der Antarktis bzw. auf den Falkland-Inseln sowie Sittiche in Argentinien.
Das Hauptaugenmerk ihrer Forschung liegt in der Untersuchung der Ökologie lang lebender Vogelarten und ihrer Reaktion auf Veränderungen in marinen bzw. terrestrischen Ökosystemen. Dabei spielen die aktuellen Klimaänderungen eine besondere Rolle. Ein wichtiger Bereich sind nahrungsökologische Fragestellungen, wozu sie direkte Nahrungsanalysen, Radio-Telemetrie, Datenlogger, stabile Isotopen und Fettsäure-Signaturen kombiniert. Ein weiteres Arbeitsfeld sind die Molekulare Ökologie und die Artbildung bei Seevögeln. Darüber hinaus beschäftigt sich Frau Quillfeldt mit Parasiten sowie mit endokrinologischen und immunologischen Fragen. Ihre verhaltensökologischen Untersuchungen an Seevögel beinhalten insbesondere die Eltern-Küken-Interaktionen und sie schließen die hormonelle Steuerung des Verhaltens ein.
Frau Quillfeldts Arbeiten mit ihren multidisziplinären Ansätzen haben unser Verständnis über die Ökologie insbesondere der Arten der kalten Regionen stark erweitert. Hervorzuheben ist außerdem, dass ihre Arbeiten auch in Management- und Aktionspläne sowie in Ausweisungen von „Important Bird Areas“ einflossen.
Hans-Löhrl-Preis 2012

- Heiko Schmaljohann
Der Hans-Löhrl-Preis ging an Herrn Dr. Heiko Schmaljohann vom Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“ in Wilhelmshaven für seine vielseitigen und hervorragenden Studien zum Thema „Optimaler Vogelzug“.
Seine Untersuchungen lieferten wesentliche Beiträge zum Verständnis der Überquerung der Sahara, zur Wahl und Nutzung eines Rastplatzes sowie neue Erkenntnisse über den gesamten Zugablauf einzelner Individuen. Dabei ergänzen sich die Ergebnisse, die er an einem breiten Spektrum ziehender Arten erzielt hat, mit denjenigen, die an einer Modellart, nämlich dem Steinschmätzer, gewonnen wurden. An dieser Art untersuchte er besonders, wie sich ein rastender Zugvogel entscheidet zu verweilen oder weiter zu ziehen. Er konnte zeigen, dass sowohl die körperliche Verfassung des Vogels als auch verschiedene Umweltfaktoren solche Entscheidungen in komplexer Weise beeinflussen. Erst die Kombination verschiedenster innovativer Techniken von der Fernwägung von Vögeln über den Einsatz von Radar und Licht-Loggern bis zur Analyse stabiler Isotope erlaubte ihm Einblicke, die aufgrund technischer Beschränkungen vorher nicht möglich waren.
Maria-Koepcke-Preis 2012

- Till Töpfer
Den Maria-Koepcke-Preis erhielt Dr. Till Töpfer, Dresden, für seine vielseitigen und hervorragenden Arbeiten auf der Basis von ornithologischem Sammlungsmaterial.
In naturwissenschaftlichen wie ornithologischen Sammlungen wird die Kluft zwischen den Anforderungen der Sammlungspflege und -entwicklung und denen moderner Wissenschaft immer größer. Die begrenzte Wertschätzung konservatorischer Arbeiten gegenüber Publikationen in ISI-gelisteten Journalen macht den Spagat noch schwieriger. In größeren Sammlungen teilt sich die klassische Position eines Kurators, der beide Seiten in sich vereint, mehr und mehr in Sammlungstechniker einerseits und Wissenschaftler andererseits.
Dr. Till Töpfer schafft es, beide Seiten in sich zu vereinen. Mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten zu verwandtschaftlichen Verhältnissen an Gimpeln der Gattung Pyrrhula beweist er einen modernen, integrativen Ansatz unter Einbeziehung morphologischer, molekular-genetischer und bioakustischer Methoden und von Material aus ornithologischen Sammlungen weltweit. Sein Engagement am DO-G Methodenhandbuch „Measuring birds – Vögel vermessen“, das sich mittlerweile zu einem viel beachteten Standardwerk entwickelt hat, seine Arbeiten zu labortechnischen Fragen, wie dem Einfluss von Arsen auf DNA-Extraktionen, und zur Bedeutung von Federsammlungen und historischen Lokalnachweisen zeigen daneben ein Verständnis für Vogelsammlungen, das weit über die Grenzen phylogenetischer Untersuchungen hinausgeht.
Nicht zuletzt ist Dr. Töpfer auch ein aktiver Freilandornithologe, der sich im Verein Sächsischer Ornithologen einbringt und den Kontakt zu den Ornithologen vor Ort als wichtigen Bestandteil seiner Arbeit pflegt.
Franz Bairlein
Präsident der DO-G
