Petition der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft e.V. für eine Rücknahme der Niederösterreichischen Beutegreiferverordnung

Im Dezember 2008 trat die neue „Beutegreiferverordnung“ der Niederösterreichischen Landesregierung in Kraft. Für eine Dauer von sechs Jahren sind nun insgesamt 1200 Mäusebussarde und 240 Habichte zum Abschuss freigegeben. Schon vor einigen Jahren gab es eine ähnliche Verordnung, die aufgrund einer von BirdLife Österreich und dem WWF bei der EU-Kommission eingereichten Beschwerde von der Landesregierung zurückgezogen werden musste. Die jetzige Verordnung bezieht sich auf die in der EU-Vogelschutzrichtlinie angeführte Ausnahmemöglichkeit der „vernünftigen“ Nutzung. Es wird argumentiert, dass die Jagd als Freizeitbeschäftigung eine vernünftige Nutzung von Greifvögeln darstellt. Weiterhin sollen Jäger durch Abschüsse motiviert werden, mehr in den Naturschutz zu investieren. Dies ist eine EU-weit beispiellose, inakzeptable Verordnung zur Verfolgung von Greifvögeln.

Durch den Abschuss sollen laut einer Studie des Instituts für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien auch 25 gefährdete Tierarten profitieren, die potentiell zum Beutespektrum beider Greifvögel zählen. Ein wissenschaftlicher Nachweis für diese Behauptung fehlt hier aber vollkommen. 14 der genannten Arten sind nicht einmal als Beute nachgewiesen worden. In der Liste der angeblich bedrohten Tiere befinden sich zudem so absurde Beispiele wie die seit 30 Jahren nicht mehr in Niederösterreich nachgewiesene Wiesenotter.

Die Verordnung bedient nur ein überholtes Jagdverständnis, das Beutegreifer nicht als Teil des Ökosystems sondern als vermeintliche Konkurrenten um dieselbe Beute sieht. Die Jägerschaft scheint nach wie vor zu glauben, dass Niederwild allein durch Greifvögel gefährdet ist – eine wissenschaftlich nicht nachvollziehbare Behauptung.

Die Deutsche Ornithologen-Gesellschaft e.V. als Vertreterin zahlreicher Ornithologinnen und Ornithologen Mitteleuropas verurteilt diese Verordnung zur Verfolgung von Greifvögeln und fordert Landesrat Dr. Pernkopf auf, sie umgehend zurückzunehmen.

Verabschiedet von der Mitgliederversammlung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft e.V, anlässlich ihrer 142. Jahresversammlung am 3. Oktober 2009 in Pörtschach.