Das passive akustische Monitoring (PAM) hat in den vergangenen Jahren einen bemerkenswerten Weg genommen: von einer Spezialmethode weniger Arbeitsgruppen hin zu einem Verfahren, das zunehmend in Forschungsprojekten, im behördlichen Monitoring und in der gutachterlichen Praxis eingesetzt wird. Autonome Rekorder sind erschwinglich geworden, KI-gestützte Artklassifikation hat einen Reifegrad erreicht, der praktische Anwendungen trägt, und erste methodische Rahmensetzungen liegen vor. Mit dieser Verbreitung wächst der Bedarf fachlichem Austausch zu Geräten und Aufnahmeparametern, zum räumlichen und zeitlichen Erfassungsdesign, zur Auswertung großer Datenmengen, zur Belastbarkeit der Ergebnisse und nicht zuletzt zu den rechtlichen Rahmenbedingungen.
Genau hier setzt die neu gegründete Fachgruppe Akustisches Monitoring der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft an. Sie versteht sich als Netzwerk und Austauschforum für alle, die akustische Verfahren in der Vogelkunde anwenden, entwickeln oder bewerten – aus Forschung, Planungspraxis, Behörden, dem ehrenamtlichen Naturschutz oder in der Privat in der Freizeit. Anlass für die Gründung waren wiederholte Anfragen aus dem Kreis der Mitglieder nach einem Ort, an dem sich fachliche und technische Fragen zum Thema bündeln lassen. Mit dem Wegfall der Fachgruppe Bioakustik besteht zudem eine Lücke im Themenfeld Akustik in der DOG, die die neue Fachgruppe schließen möchte.
Inhaltlich soll die Fachgruppe breit ansetzen. Denkbare Arbeitsfelder sind der Erfahrungsaustausch zu Aufnahmetechnik und Feldeinsatz, die Diskussion methodischer Mindeststandards und Fragen der Qualitätssicherung, der Umgang mit automatisierter KI-gestützter Auswertung und deren Validierung, die Anschlussfähigkeit akustischer Daten an bestehende Monitoringprogramme sowie rechtliche Aspekte der Tonaufzeichnung im Freiland. Ebenso wichtig ist der Blick in die Praxis: Welche Fragestellungen lassen sich mit PAM belastbar beantworten – und welche nicht? Welche Anforderungen sind sinnvoll, welche technisch oder finanziell überzogen?
Ein erstes Präsenztreffen zur Sammlung von Themen, Bedarfen und Arbeitsschwerpunkten ist auf der DOG-Jahresversammlung in Mainz für den 17.9. geplant: Zeit und genauer Ort werden noch bekanntgegeben. Ziel ist eine lebendige Fachgruppe, die vom Austausch ihrer Mitglieder lebt – vom erfahrenen Anwender über die Entwicklerin bis zu allen, die schlicht neugierig sind, was ein Rekorder im Gelände über eine Vogelwelt verraten kann. Hierzu sind Sie herzlich eingeladen.