Fachgruppentreffen 2026
Treffen der Fachgruppe: Vögel der Agrarlandschaft
20. - 21. März 2026, Michael-Otto-Institut im NABU (MOIN), Bergenhusen
Zu Beginn begrüßte Heike Jeromin als kommissarische Institutsleitung die Teilnehmenden und erläuterte die Arbeitsschwerpunkte und aktuellen Tätigkeiten des MOIN. Danach ging es mit Vorträgen weiter, wobei bei diesem Treffen der Fokus auf dem Einfluss von Pestiziden lag.
Zu Beginn stellte Martin Flade die Ergebnisse einer Vergleichsuntersuchung zur Pestizidbelastung der Agrarlandschaft vor. Das Vorkommen von Pflanzenschutzmitteln im Boden des großflächigen Bio-Betriebs bei Brodowin (über 2.000 Hektar) im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin unterscheidet sich erheblich von einem benachbarten Vergleichsgebiet. Die Luftproben zeigten auf den Bio-Flächen jedoch teils stark erhöhte Pestizidwerte, vermutlich verursacht durch Drift bei Hochwetterlagen
Der Tierarzt Michael Lierz von der Vogelklinik der Universität Gießen präsentierte die Ergebnisse der Untersuchungen von 70 Totfunden von Feldsperlingen. Mithilfe der Untersuchungen auf Krankheiten und Pestizidbelastung sollen die Ursachen für den Rückgang des Feldsperlings aufgeklärt werden. Der Großteil der eingesandten Tiere war für die Untersuchungen jedoch nicht frisch genug, sodass sich heterogene Ergebnisse ergaben. Hinweise auf ein Seuchengeschehen oder eine auffällige Pestizidbelastung konnten nicht nachgewiesen werden. Es können weiterhin Feldsperlinge eingesendet werden: https://nabu-naturgucker.de/meldeportal/naturbeobachtungen-melden/feldsperlinge/
Wieland Heim stellte sein Projekt zur Untersuchung des Einflusses von Pestiziden auf Zugvögel vor. Mithilfe von Radiosendern wurde das Bewegungsverhalten von Feldlerchen erfasst und die Pestizidexposition in den gesammelten Kotproben der besenderten Individuen ermittelt. Das Projekt basiert auf einer Zusammenarbeit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und dem Julius-Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen.
Eckhard Gottschalk präsentierte die Untersuchungsergebnisse zu Brutversuchen der Feldlerchen. Dabei wurden pestizidfreie Flächen (Grünland, Bio-Anbau) mit Lerchenrevieren auf konventionellem Ackerland verglichen. Der verzögerte Brutbeginn und die geringere Zahl von Brutversuchen auf konventionell bewirtschaftetem Ackerland weichen signifikant vom Brutgeschehen auf unbelasteten Flächen ab.
Johanna Gundlach vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) berichtete über den aktuellen Stand der Verhandlungen zur kommenden Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU. Dabei wurde deutlich, dass die Landwirtschaft künftig mit anderen Sektoren um die ehemaligen ELER-Mittel konkurrieren wird. Zudem werden etwa 20 bis 30 Prozent weniger Mittel zur Verfügung stehen.
Rainer Dröschmeister vom BfN berichtete über den Indikator Artenvielfalt und Landschaftsqualität. Der Teilindikator Agrarland wird in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt berücksichtigt und für die Wiederherstellungsverordnung verwendet. Artenauswahl, Landschaftsszenarien und Zielwerte wurden in den letzten Jahren überprüft und angepasst. Der letzte Indikatorwert für das Jahr 2023 lag mit 77 % Zielerreichung weit vom Ziel entfernt, ein statistisch signifikanter Trend über die letzten zehn Jahre ist nicht feststellbar. Eine stärkere Ausrichtung der landwirtschaftlichen Nutzung auf Nachhaltigkeit und Biodiversitätsschutz ist zur Zielerreichung dringend erforderlich. Die dafür notwendigen Maßnahmen von der Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes über eine extensivere Nutzung mit ausreichend Brachflächen bis hin zur Wiedervernässung von Feuchtgrünland sind bekannt und müssen endlich umgesetzt werden.
Kathrin Ronnenberg vom Thünen-Institut für Biodiversität gab einen Einblick in ihre gemeinsam mit Jannik Beninde durchgeführten Analysen zur Wirksamkeit verschiedener Agrar-Umweltmaßnahmen für Pflanzen und Agrarvögel. Der Fokus lag darauf, den Flächenbedarf und die Kosten zur Erreichung politischer Ziele zu bestimmen.
Lorenz Heldt erläuterte das Konzept des „Gemeinschaftlichen Wiesenvogelschutzes“ (GWS) in Schleswig-Holstein. Seit vielen Jahren werden dort erfolgreich Maßnahmen zum Gelegeschutz und Prädations-Management für verschiedene Limikolenarten umgesetzt. Dazu zählen in Deutschland vom Aussterben bedrohte Arten wie Brachvogel und Uferschnepfe. Das MOIN hat im Jahr 2025 durch den GWS über 1.530 Bruten vor dem direkten Verlust durch die Landwirtschaft geschützt. Im Anschluss an das Vortragsprogramm am Freitag wurde der Meggerkoog in der Eider-Treene-Sorge-Niederung (ETS) besucht. Aufbauend auf dem vorausgehenden Vortrag haben Heike Jeromin und Jannik Beninde durch das Gebiet geführt. Insbesondere die praktische Arbeit des GWS wurde vorgestellt. Die ETS ist ein bedeutendes Winterrastgebiet für Zwergschwäne auf ihrem Weg zu ihren Brutgebieten in der russischen Arktis, die noch in größeren Trupps mit Singschwänen vor Ort waren. Beobachtet wurden außerdem verschiedene Limikolen und Entenvögel und eine Sumpfohreule.
Am zweiten Tag stellte Andreas Wiedenmann von der Uni Göttingen eine Analyse der Agrarumweltprogramme der Bundesländer hinsichtlich ihrer Eignung für Rebhühner vor und bewertete den Umfang der Maßnahmen. Demnach sind nur wenige Maßnahmen vollumfänglich zu empfehlen. Anschließend zeigte Amelie Laux, dass Rebhühner keine festen Reviere haben, sondern ihren Aktionsraum im Jahresverlauf deutlich stärker wechseln als bisher angenommen. Birgit Becker von der ABU Soest präsentierte die Bestandsentwicklungen verschiedener Wiesenbrüter in NRW. Die meisten Arten sind in den letzten zehn Jahren seltener geworden. Zudem wurden Ergebnisse des LIFE-Projekts „Wiesenvögel NRW“ vorgestellt. Hier werden bis Ende 2027 Schutzmaßnahmen für Wiesenvögel umgesetzt und erforscht. Es wird dazu vom 13. – 15. November 2026 eine Tagung in Münster geben.
Am Samstag erläuterte Jannik Beninde in Stellvertretung für Sabine Urban das Zwergschwan-Projekt des MOIN, das die Ursachen für den Bestandsrückgang dieser Art untersucht. Die nordwesteuropäische Population des Zwergschwans ist stark rückläufig, was vor allem auf erhöhte Mortalität, geringen Bruterfolg und den Verlust geeigneter Lebensräume während des Zuges zurückzuführen ist. Ergebnisse aus dem Monitoring und der Besenderung zeigen, dass Zwergschwäne Feuchtgebiete und Schutzgebiete deutlich bevorzugen und diese häufiger nutzen als ungeschützte Flächen. Gleichzeitig machen die Daten sichtbar, wo Konflikte und Gefährdungen bestehen, insbesondere durch Kollisionen mit Stromleitungen. Eine Karte mit den Senderschwänen ist auf https://zwergschwan.de/ zu finden.
Dominic Cimiotti und Jolina Kröger stellten die Ergebnisse des wissenschaftlichen Monitorings und die Schutzmaßnahmen des MOIN im Beltringharder Koog vor. Im Anschluss schloss sich eine Exkursion ins Gebiet an. Unter der fachkundigen Leitung von Dominic, Jannik und Jolina wurden die Teilnehmenden durch das Gebiet geführt und konnten eine faszinierende Anzahl von Rast- und Brutvogelarten beobachten. Das 3.350 Hektar große Gebiet wird vom MOIN engmaschig betreut und ist in weiten Teilen durch Prädationsschutz-Maßnahmen gesichert. Dort werden vielfältige Untersuchungen durchgeführt, darunter Telemetrie an Regenpfeifern und Austernfischern. Die Größe des Gebiets, das umfassende Management und die Vielzahl an Rast- und Brutvögeln beeindruckten alle Teilnehmenden.
Bericht von:
Lisa Dumpe, Eckhard Gottschalk, Jannik Beninde