Preisträger 2026
Guy M. Kirwan
Für seine herausragende Verbindung von ornithologischer Sammlungsarbeit und Freilandforschung, durch die er die Vielfalt und geografische Variation der Vogelwelt neu erschließt und Museen als lebendige Orte moderner taxonomischer Forschung international sichtbar macht.
Laudatio
Die Fachgruppe „Ornithologische Sammlungen“ der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft verleiht den Maria-Koepcke-Preis 2026 an Herrn Guy M. Kirwan aus Norwich, Großbritannien. Guy Kirwan zählt zu den international profiliertesten zeitgenössischen Ornithologen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Taxonomie, Systematik und Biogeographie der Vögel. Zu diesen Themenkomplexen hat er eine Vielzahl von Beiträgen in internationalen Fachzeitschriften publiziert. Hervorzuheben sind insbesondere seine Studien zur geographischen Variation von Vogelarten, die auf der vergleichenden Auswertung von Museumsmaterial und Freilandbeobachtungen beruhen.
Mit seiner Arbeit steht der Preisträger beispielhaft für eine äußerst produktive Verknüpfung von Freiland- und Museumsarbeit. Zugleich unterstreichen die Arbeiten von Guy Kirwan die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit zwischen Vogelsammlungen, welche die Deutsche Ornithologische Gesellschaft mit dieser Preisvergabe ausdrücklich würdigen möchte.
Obwohl er ursprünglich Geschichte und englische Literatur studierte und mit dem Bachelor of Arts abschloss, widmete Guy Kirwan seit Beginn der 1990er Jahre seine gesamte wissenschaftliche Laufbahn der Ornithologie. Durch seine jahrzehntelange internationale Feldtätigkeit verfügt er über eine außergewöhnlich hohe Artenkenntnis, die seinen Studien in ornithologischen Sammlungen zugutekommt. Besonders hervorzuheben sind seine Arbeiten zur Avifauna der Türkei, Sokotras und des Nahen Ostens sowie Mittel- und Südamerikas (insbesondere Brasiliens). Diese Studien führten wiederholt zu Neubewertungen der geografischen Variation zahlreicher Vogeltaxa und oftmals zu grundlegenden taxonomischen Revisionen. Dabei knüpfte Guy Kirwan mit zahlreichen Forschungseinrichtungen und wissenschaftlichen Vogelsammlungen enge Verbindungen, besonders mit dem Museu Nacional in Rio de Janeiro und als assoziierter Wissenschaftler mit dem Field Museum of Natural History in Chicago und dem Natural History Museum in Tring. In Deutschland hat er insbesondere die Sammlungen in Bonn und Berlin regelmäßig besucht.
Guy Kirwan war zudem an der Beschreibung mehrerer neuer Vogeltaxa beteiligt, darunter des Sokotrabussards Buteo socotraensis, des Fahlkauzes Strix hadorami und des Basaltsteinschmätzers Oenanthe lugens warriae. Solche Studien beinhalteten zwangsläufig sehr häufig die Untersuchung von Typusexemplaren. Diesen widmete sich Guy Kirwan in den vergangenen Jahren verstärkt, insbesondere im Hinblick auf deren taxonomische Validität.
Seine Arbeiten leisten nicht nur wichtige Beiträge zur korrekten Anwendung der zoologischen Nomenklatur, sondern beinhalteten auch wertvolle Recherchen zur Geschichte von Sammlungen, die für die Erschließung und zeitgemäße Nutzbarmachung wissenschaftlicher Vogelsammlungen unabdingbar sind. In diesem Rahmen hat er verschiedene Sammlungen, auch deutsche, mit seiner Fachkenntnis unterstützt.
Der Preisträger ist zudem weithin durch seine Beiträge als Autor, Herausgeber und Redakteur mehrerer ornithologischer Zeitschriftenreihen und Referenzwerke bekannt. Darunter befinden sich beispielsweise das „Handbook of the Birds of the World“, in dessen Fortsetzung er mehr als 3000 Artkapitel für die digitalen Versionen „HBW Alive“ bzw. „Birds of the World“ aktualisierte oder mitverfasste. Zudem ist er als Autor oder Ko-Autor von etwa einem Dutzend Fachbüchern bekannt, die als Resultate seiner langjährigen Untersuchungen erschienen, darunter „The Birds of Turkey“ von 2008 oder die Monographie „Cotingas and Manakins“ von 2011. Seit 2004 ist er Herausgeber des renommierten „Bulletin of the British Ornithologists’ Club“, das für seine fundierten, regelmäßig sammlungsbasierten Beiträge zur Vogelsystematik und –taxonomie bekannt ist.
Guy Kirwan hat durch seine vielfältigen ornithologischen Aktivitäten maßgeblich dazu beigetragen, taxonomische Erkenntnisse weltweit verfügbar zu machen und die klassische Sammlungsarbeit zu popularisieren. Seine Forschung steht damit auch in der Tradition Maria Koepckes, deren sammlungsbezogene Aktivitäten bis heute eine Basis für taxonomische Untersuchungen der neotropischen Vogelwelt bilden. Die Deutsche Ornithologische Gesellschaft zeichnet Guy Kirwan als einen verdienstvollen Wissenschaftler aus, der ornithologische Sammlungen im Rahmen moderner Revisionen und grundlegender vogelsystematischer Arbeiten vorbildhaft und als Bereicherung für die zeitgenössische Ornithologie zu nutzen versteht.
Mainz, den 17. September 2026
Verliehen von der
Deutschen Ornithologischen Gesellschaft e.V.
auf der 159. Jahresversammlung
Dr. Dorit Visbeck-Liebers
Präsidentin
Dr. Till Töpfer & Dr. Manuel Schweizer
Für die Jury