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DOG gründet Kommission „Geschichte und Verantwortung“

Der Vorstand der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft (DOG) hat auf seiner Online-Sitzung am 29. Mai 2026 einstimmig die Gründung der Kommission „Geschichte und Verantwortung“ beschlossen. Damit geht die DOG einen wichtigen Schritt zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der eigenen Geschichte. Die Kommission soll aus Mitgliedern der DOG bestehen und in enger Zusammenarbeit mit externen Historikerinnen und Historikern arbeiten.

Die Kommission befindet sich derzeit im Aufbau. Ihre endgültige personelle Besetzung sowie eine Geschäftsordnung sollen auf der Mitgliederversammlung der DOG im September 2026 in Mainz vorgestellt,  beraten und beschlossen werden. Ziel ist es, eine Arbeitsgremium zu bilden, das seine Arbeiten und Projekte gemeinsam mit externen Fachleuten aus der Geschichtswissenschaft entwickelt.

Grundlage: Das Leipziger Papier
Die Einrichtung der Kommission geht auf den Workshop „Geschichte der DOG – Schwerpunkt Nationalsozialismus“ zurück, der am 11. und 12. April 2026 in Leipzig stattfand. Dort diskutierten Mitglieder der DOG gemeinsam mit Historikerinnen und Historikern sowie weiteren Gästen über Perspektiven einer zeitgemäßen Erinnerungskultur und entwickelten ein gemeinsames Positionspapier.
 

Das Leipziger Papier zur Geschichte und Verantwortung der DOG formuliert zentrale Aufgaben für die kommenden Jahre. Dazu gehören die wissenschaftliche Erforschung der Verbandsgeschichte von der Weimarer Republik bis in die Bundesrepublik, die Digitalisierung und Erschließung historischer Quellen, die kritische Einordnung in der Vergangenheit vorgenommener Ehrungen und sonstiger Personalia sowie die stärkere Sichtbarmachung bislang wenig beachteter Akteurinnen und Akteure. 

Das Leipziger Papier empfiehlt ausdrücklich die Zusammenarbeit mit externen Historikerinnen und Historikern sowie Einrichtungen der Erinnerungs- und Gedenkkultur.

Download 

  1. Leipziger Papier zur Geschichte und Verantwortung der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft (DOG) 

 

Von der Gründung zur ersten Quellenarbeit
Bereits wenige Tage nach ihrer Gründung nahm die Kommission ihre Arbeit auf. Am 2. und 3. Juli 2026 recherchierten Dirk Tolkmitt, Klaus Nottmeyer und Dr. Dorit Visbeck-Liebers im Archiv des Museums für Naturkunde Berlin.

Ein besonderer Dank gilt Dr. Sylke Frahnert, Vize-Präsidentin der DOG und Kuratorin am Museum für Naturkunde in Berlin, die den Zugang zum Archiv trotz der bevorstehenden mehrjährigen Schließung des Hauses ermöglicht hat.

Die Vorbereitung der Recherchen wurde wesentlich durch ein Digitalisierungsprojekt erleichtert, welches das Museum für Naturkunde in den Jahren 2021 bis 2023 durchführen ließ. Dabei erschloss die Berliner Agentur Facts & Files sämtliche Archivbestände des Museums, inklusive unserer Vereinsunterlagen, digital und versah sie mit einer umfangreichen Verschlagwortung. Auf dieser Grundlage konnten bereits im Vorfeld sämtliche 859 Archivkonvolute der DOG gesichtet und daraus eine erste Auswahl relevanter Bestände für den Archivbesuch zusammengestellt werden.

für Naturkunde – verknüpfen mit Webseite zum Museum für Naturkunde auf Facts & Files ???

Während der zweitägigen Recherche wurden die ausgewählten Akten gesichtet, wesentliche Abschnitte fotografisch dokumentiert und erste Arbeitsnotizen angefertigt. Ziel war zunächst, einen Überblick über die Quellenlage zu gewinnen und künftige Forschungsschwerpunkte festzulegen.

Fotografische Dokumentation und digitale Erfassung von Inhalten und Themen im Lesesaal des Archivs am Museum für Naturkunde Berlin.

Erstes Schwerpunktthema: Günter Niethammer

Als erstes Thema widmet sich die Kommission Günter Niethammers zweimaliger Wahl zum Präsidenten der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft (1968–1973) sowie seiner bereits vorausgehenden zwölfjährigen Amtszeit als Vizepräsident (1955–1967). Im Mittelpunkt steht dabei die Rekonstruktion der damaligen Entscheidungsprozesse sowie die Sichtung und Auswertung der verfügbaren Quellen.

Besonders aufschlussreich erwies sich dabei unter anderem Akte 639, die erste Einblicke in Diskussionen und Stimmungen innerhalb von Vorstand und Beirat ermöglicht. Welche Schlussfolgerungen sich daraus ziehen lassen, wird die weitere Auswertung der Quellen zeigen.

Die Kommission versteht ihre Aufgabe nicht darin, selbst historische Forschung zu ersetzen. Vielmehr möchte sie Quellen erschließen, Fragestellungen entwickeln und den Aufarbeitungsprozess gemeinsam mit externen Historikerinnen und Historikern begleiten. Auf diese Weise wird die Geschichte der DOG transparent dokumentiert und die Ergebnisse offen kommuniziert.

Die Arbeit hat gerade erst begonnen und es liegen noch viele völlig unbearbeitete Archivkartons zur Entdeckung und Erschließung bereit.

Ein Blick in die Archive – und auf ihre Leerstellen

Der Archivbesuch machte zugleich deutlich, dass historische Forschung nicht nur Antworten liefert, sondern auch neue Fragen aufwirft.

Ein besonders augenfälliges Beispiel betrifft die historische Rolle von Frauen in der Geschichte der DOG. Während zahlreiche Akten zu Funktionsträgern und Gremien erhalten geblieben sind, fanden sich in den bislang gesichteten Beständen zunächst lediglich zwei schmale Akten mit Korrespondenzen aus dem 19. Jahrhundert von Gräfin Kleist-Tychow beziehungsweise Cecil Boden Kloss mit Ernst Hartert. Ein Forschungsfeld, das künftig stärker in den Blick genommen werden soll.

Die Akten mit Informationen zu historischen Frauen in der DOG bleiben überschaubar...

Ausblick
Mit der Gründung der Kommission Geschichte und Verantwortung beginnt ein langfristiger Prozess der historischen Aufarbeitung und der kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Vereinsgeschichte. Weitere Archivarbeiten sind bereits geplant. Darüber hinaus soll im kommenden Jahr ein internationaler Workshop stattfinden, der voraussichtlich gemeinsam mit polnischen Ornithologinnen und Ornithologen vorbereitet wird. Als Tagungsort wird derzeit Krakau mit einem gemeinsamen Besuch der Gedenkstätte Auschwitz geprüft.

Geschichte lässt sich nicht umschreiben – aber sie lässt sich erforschen, einordnen und transparent vermitteln. Mit der Kommission Geschichte und Verantwortung hat die DOG dafür einen institutionellen Rahmen geschaffen.

 

Klaus Nottmeyer, Dirk Tolkmitt und Dorit Visbeck-Liebers
DOG-Kommission „Geschichte und Verantwortung“

 

Link - Agentur Facts and Files

  1.  factsandfiles.com