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Preisträgerin 2026
Dr. Susanne Arbeiter

Für ihre herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten zum Seggenrohrsänger 
sowie für ihre besonderen Verdienste um die Verbindung von ornithologischer Forschung, angewandtem Vogelschutz und Moorschutz.

Laudatio

Es gibt in der Wissenschaft Momente, da geht es um mehr als Daten und Publikationen. Es geht um Leidenschaft und die Art und Weise, wie ein Mensch die Natur beobachtet. Heute habe ich die große Ehre und Freude, eine Frau zu ehren, deren Arbeit Präzision, Ausdauer und Gründlichkeit widerspiegelt und die für eine Generation Ornithologinnen und Ornithologen steht, die hochkompetent, zielstrebig und mit echter Wirksamkeit Ornithologie und Vogelschutz voranbringen: Dr. Susanne Arbeiter.

Verleihung des Preises der Horst-Wiehe-Stiftung 2026 an Dr. Susanne Arbeiter (Mitte) durch die DOG-Präsidentin Dr. Dorit Visbeck-Liebers (rechts) und PD Dr. Franziska Tanneberger, Laudatorin und Ehrenmitglied der DOG (links).

Wenn man Susannes Weg betrachtet, sieht man eine faszinierende Entwicklung und Vogelarten mit einem leichten Hang zum Extremen. Begonnen hat alles mit der Begeisterung für das Farbenfrohe – mit ihrer Masterarbeit über den Bienenfresser. Doch Susanne zog es bald zu den wahren Herausforderungen der Feldarbeit: zu jenen Arten, die sich lieber verstecken, als aufzufallen.

In ihrer Doktorarbeit widmete sie sich dem Wachtelkönig. Wer im Unteren Odertal gearbeitet hat, weiß, dass diese Landschaft so schön wie unerbittlich ist. Susanne hat dort Pionierarbeit geleistet und in Rohrglanzgrasfluren bis zum Horizont Weibchen telemetriert. Dabei hat sie eine Resilienz – die Mitwirkung der Weibchen ebenso wie der Männchen ließ hinsichtlich der Sender zu wünschen übrig – bewiesen, die uns alle beeindruckt hat. Feldarbeit ist selten ein linearer Prozess, es gibt technische Defekte und herbe Rückschläge. Doch wo andere resigniert hätten, blieb Susanne beharrlich und führte die Studie letztlich zum Erfolg – mit konkreten Erkenntnissen für den besseren Schutz von Weibchen und Jungvögeln in den gemähten Auenwiesen.

Diese Beharrlichkeit führt uns zu ihrem aktuellen Schwerpunkt: dem Seggenrohrsänger. Diesen global bedrohten Moorvogel erforscht Susanne als Wissenschaftlerin im besten Sinne des Wortes – grenzüberschreitend. Ihr 

Arbeitsspektrum reicht von den Brutgebieten in Deutschland und Polen bis in die  Winterquartiere und von der Auswertung der ersten Translokationen bis zur komplexen Populationsmodellierung und Bewertung des Nahrungsangebotes. Für das langfristig angelegte EU-LIFE-Projekt LIFE4AquaticWarbler und seine wissenschaftliche Basis ist sie damit eine zentrale Person. Eng damit verbunden ist ihre Arbeit in der PaludiZentrale, in der wissenschaftlichen Untersuchungen zu Wiedervernässung und landwirtschaftlichen Nutzung in neun Modellregionen bundesweit gebündelt und zentral ausgewertet wird.

Für mich verkörpert Susanne den starken inneren Wunsch und die Begeisterung, mit robuster, bestmöglicher Wissenschaft entscheidende Fragen im angewandten Naturschutz zu beantworten. Dazu gehört auch ihr Anspruch, auch als zunächst Außenstehende in einer eingeschworenen Gemeinde wie der „Seggenrohrsänger-Familie“ kritische Fragen anzusprechen - stets verbunden mit dem Angebot, an ihrer Klärung und der Überwindung bestehender Probleme mitzuwirken. All dies tut sie mit einer grundlegenden Freundlichkeit und ohne Ansichten oder Personen abzuwerten.

Die Deutsche Ornithologische Gesellschaft verleiht Susanne Arbeiter den Horst-Wiehe-Preis nicht nur für ihre hervorragende Forschung. Sie verleiht ihn auch für ihre Unermüdlichkeit, ihre konsequente wissenschaftliche Haltung und den Mut, auch Themen anzupacken, die schwierig sind. Herzlichen Glückwunsch!

Mainz, den 17. September 2026

Verliehen von der
Deutschen Ornithologischen Gesellschaft e.V.
auf der 159. Jahresversammlung

Dr. Dorit Visbeck-Liebers
Präsidentin

PD Dr. Franziska Tanneberger
Ehrenmitglied der DOG

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