Geschichte Workshop 2026
Foto aller Teilnehmenden am Geschichte-Workshop in Leipzig (v.l.n.r.): Annsophie Schmidt, Jens Hering, Nils Franke, Wolfgang Benz, Frau Benz, Wolfgang Fiedler, Dorit Visbeck-Liebers, Till Töpfer, Bernd Haubitz, Karl Schulze-Hagen, Sabine Hackethal, Carmen Röhr, Dirk Tolkmit, Carla Bömeke, Franziska Tanneberger, Ina Heumann, Sabine von Mering, Wolfgang Mädlow, Elke Brüser, Peter Herkenrath, Dieter Kronbach, Klaus Nottmeyer, Sylke Frahnert, Matthias Laurisch (Hildegard Eissing fehlt)
Werkstatt zur Geschichte der DOG mit Schwerpunkt Nationalsozialismus
Am 11. und 12. April trafen sich rund 25 Expert:innen, Gäste und Mitglieder der DOG zu einem zweitägigen Workshop in der Alten Nikolaischule in Leipzig – einem eindrucksvollen Ort in der geschichtsträchtigen Altstadt. Im Mittelpunkt des Treffens stand die Annäherung und Auseinandersetzung mit der Geschichte der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft, mit einem klaren Fokus auf die Zeit des Nationalsozialismus.
Eröffnet wurde die Werkstatt von der Präsidentin Dr. Dorit Visbeck-Liebers. Sie hat gleich zu Beginn einen sehr persönlichen Ton gesetzt und deutlich gemacht, dass es hier nicht um „die“ Geschichte geht, sondern um unsere Geschichte – und dass diese jeden Einzelnen betrifft, auch innerhalb der DOG.
Den ersten inhaltlichen Impuls gab Prof. Dr. Wolfgang Benz, der einen großen historischen Bogen gespannt hat – von den Verstrickungen einzelner Akteure im NS-Staat bis hin zum Umgang damit in den Jahrzehnten danach. Besonders sein abschließendes Plädoyer für eine bewusste Erinnerungskultur und einen offenen, aber auch demütigen Umgang mit der eigenen Geschichte wird mir persönlich intensiv in Erinnerung bleiben.
PD Dr. Nils Franke hat die DOG folgend in einen größeren Kontext gestellt und gezeigt, wie andere naturwissenschaftliche Gesellschaften mit ihrer Vergangenheit umgehen. An Beispielen wie dem Deutschen Alpenverein, dem BUND oder dem NABU wurde deutlich, dass Aufarbeitung vor allem dann wirkt, wenn sie sichtbar gemacht und auch öffentlich eingeordnet wird. Das wirkte sehr konkret – und zeigte gleichzeitig auch die Herausforderungen dieser Thematik auf.
Dr. Ina Heumann vom Museum für Naturkunde Berlin hat aus der Praxis berichtet und dabei eindrucksvoll unterstrichen, wie wichtig Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Disziplinen ist. Ihre Hinweise auf weniger offensichtliche Kontexte, etwa Kriegsgebiete als Sammelorte und die Verbindungen zur Kolonialzeit setzten spannende Akzente.
Nach so umfangreichem Input war es schön, den ersten Tag bei strahlendem Sonnenschein mit einem kleinen Stadtrundgang ausklingen zu lassen – und später bei Antipasti und guten Gesprächen das Ganze etwas sacken zu lassen.
Am zweiten Tag stand zunächst der Beitrag von Dr. Nils Franke und Klaus Nottmeyer zum Leben von Günther Niethammer im Zentrum. Die Auseinandersetzung mit seiner Rolle als Ornithologe, als Präsident der DOG und als Teil des NS-Systems hat eine rege und auch bewegende Diskussion ausgelöst – stellenweise auch kontrovers, aber immer respektvoll und sehr konstruktiv.
Im gemeinsamen Abschluss, moderiert von Dr. Dorit Visbeck-Liebers, wurden die vielen Perspektiven noch einmal zusammengeführt und erste Ideen für die nächsten Schritte gesammelt.
Einigkeit bestand darin, den begonnenen Prozess weiterzuführen und dafür eine Arbeitsgruppe einzurichten. Es geht dabei nicht nur um einzelne Personen, sondern um ein differenziertes Gesamtbild – also auch um institutionelle Zusammenhänge sowie die Rollen von Tätern und Opfern. Themen wie Transparenz, der digitale Zugang zu Quellen und eine klare öffentliche Positionierung werden dabei eine wichtige Rolle spielen.
Für mich war die Werkstatt kein „abgeschlossenes Ergebnis“, sondern eher ein Anfang – und gleichzeitig eine Einladung, sich weiter einzubringen. Ich habe fachlich viel mitgenommen, aber auch persönlich einiges zum Nachdenken.
Vielen Dank an dieser Stelle für die Möglichkeit, an diesem Workshop teilzunehmen.
Bericht von
Carmen Röhl (Bielefeld)